Monatsrückblick Juli 2026

Veröffentlicht am Kategorisiert als Persönliches, Rückblick Keine Kommentare zu Monatsrückblick Juli 2026

Bewegung & Empty-Nest-Syndrom

Der Juli stand ganz im Zeichen des Abiturs meiner zweiten Tochter.

Noch einmal Daumen drücken für die mündliche Prüfung, mitfiebern, warten – und dann war es tatsächlich geschafft. Es wurde gestrahlt, vor Glück geweint und natürlich gefeiert.

Damit ging nicht nur für meine Tochter ein langer Schulabschnitt zu Ende. Auch für mich war das ein Einschnitt, obwohl ich darauf überhaupt nicht vorbereitet war.

Erst einmal kam aber Marrakesch.

Verpasse nie wieder einen Blogartikel von mir: Abonniere meinen Newsletter „WochenEndMomentum“

Abitur geschafft

Die letzten Tage vor einer Prüfung sind für alle Beteiligten anstrengend. Diejenige, die geprüft wird, muss lernen und irgendwie die Nerven behalten. Als Mutter steht man daneben und kann im Grunde nicht mehr viel tun.

Man fragt nach, ob alles da ist, hört sich noch einmal die Themen an, versucht, Zuversicht zu verbreiten, und drückt die Daumen.

Dann kommt dieser Moment, in dem die Tür aufgeht und man im Gesicht schon sieht, wie es gelaufen ist.

Meine Tochter strahlte.

Das Abitur war geschafft.

Es wurde geweint, gelacht und gefeiert. All die Anspannung der vergangenen Wochen fiel ab. Ich war stolz, erleichtert und sehr glücklich für sie.

Natürlich ist es ihr Abitur. Sie hat gelernt, sie hat die Prüfungen geschrieben und sie hat sich durch die letzten Schuljahre gearbeitet. Trotzdem erlebt man das als Mutter eben mit.

Man begleitet die guten Phasen und die weniger guten. Man erlebt Zweifel, schlechte Laune, Prüfungsstress und manchmal auch die Frage, wofür man das alles überhaupt braucht.

Nun war es vorbei.

Ein schöner, großer Moment.

Und gleichzeitig das Ende einer Aufgabe, die über viele Jahre ganz selbstverständlich zu meinem Leben gehört hatte.

Mutter und Tochter in Marrakesch

Nach dem Abitur sind wir zusammen nach Marrakesch gereist.

Eine Mutter-Tochter-Reise nach all den Prüfungen und dem ganzen Schulstress. Raus aus dem Alltag, hinein in eine Stadt, die mit Zurückhaltung nun wirklich nichts zu tun hat.

Marrakesch ist Farbe.

Für mich vor allem Majorelle-Blau und warmes Sonnengelb.

Das Blau ist kräftig und klar. Man kann es nicht übersehen. Das Gelb ist warm, freundlich und erinnert sofort an Sonne in Zitronenbaumfeldern.

Beide Farben lösen bei mir Leichtigkeit und Freude aus.

Überhaupt ist Marrakesch ein Ort, an dem ständig etwas zu sehen ist. Farben, Muster, Stoffe, Fliesen, Gewürze, Pflanzen, Licht und Schatten. Dazu die Wärme, die Geräusche und das Gewusel in den Straßen.

Wir waren viel unterwegs. Allein in dieser Woche bin ich täglich zwischen 12.000 und 18.000 Schritte gelaufen.

Leider fehlen genau diese Schritte in meiner Aufzeichnung. Meine Statistik tut also so, als hätte Marrakesch nicht stattgefunden. Meine Füße belehren sie eines besseren.

Die Reise war anstrengend und schön. Wir hatten Zeit miteinander, konnten reden, schauen, essen und uns treiben lassen.

Es war eine gute Art, diesen Schulabschluss zu feiern.

Und wahrscheinlich auch ein guter Zeitpunkt für diese gemeinsame Reise. Meine Tochter steht am Anfang eines neuen Abschnitts. Solche Reisen werden dadurch nicht unmöglich, aber sie werden künftig sicher anders geplant werden müssen.

Danach kam das Loch

Nach all der Aufregung, der Prüfung, dem Feiern und Marrakesch kam ich nach Hause.

Und fiel in ein Loch, auch “empty-nest-syndrom” genannt

Plötzlich hatte ich das Gefühl, kein Ziel mehr zu haben.

Bis dahin musste ich für meine Töchter da sein. Natürlich nicht rund um die Uhr und mit zunehmendem Alter auch immer weniger. Trotzdem war diese Aufgabe da. Sie war ein fester Bestandteil meines Lebens.

Nun sind beide groß.

Das ist gut. Es soll ja genau so sein. Kinder sollen selbstständig werden, ihre eigenen Entscheidungen treffen und ihr eigenes Leben führen.

Trotzdem ist es merkwürdig, wenn man merkt, dass man in der bisherigen Form nicht mehr gebraucht wird.

Sie brauchen mich weiterhin, aber anders. Nicht mehr so unmittelbar und nicht mehr für jeden Schritt.

Darauf hatte ich viele Jahre hingearbeitet. Als es dann soweit war, fühlte es sich trotzdem nicht nur gut an.

Hinzu kommt, dass meine Selbstständigkeit einfach nicht in Gang kommt.

Ich habe nicht erwartet, dass alles sofort läuft. Aber dass so wenig passiert, setzt mir zu. Es verstärkt das Gefühl, im Moment keine richtige Aufgabe zu haben.

Die Töchter gehen ihren Weg. Beruflich entsteht noch nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Und ich stehe dazwischen und frage mich, was nun eigentlich mein Ziel ist, beziehungsweise, ob und was noch meinen Lebenssinn ausmacht.

Das klingt dramatischer, als jeder einzelne Tag tatsächlich war. Ich saß nicht den ganzen Juli verzweifelt auf dem Sofa.

Aber der Gedanke war da.

Wofür werde ich gebraucht?

Was möchte ich mit meiner Zeit und meinem Wissen anfangen?

Und wie komme ich endlich an den Punkt, an dem meine Selbstständigkeit nicht nur eine Idee bleibt?

Eine Antwort darauf habe ich noch nicht.

Die Mutter eines Piloten

In diese etwas seltsame Phase fiel ein Gespräch mit einem unserer Piloten.

Er erzählte mir von seiner Mutter, die unter chronischen Schmerzen leidet. Bisher konnte ihr niemand so richtig helfen.

Er fragte mich, ob ich sie mir nicht einmal anschauen könne.

Darüber habe ich mich gefreut.

Nicht über ihre Schmerzen natürlich, sondern darüber, dass er mich gefragt hat. Genau diese Art von Arbeit macht mir Spaß. Einen Menschen anzuschauen, Fragen zu stellen und nach Zusammenhängen zu suchen.

Gleichzeitig habe ich Bedenken.

Bei chronischen Schmerzen möchte ich keine Hoffnungen wecken, die sich später nicht erfüllen lassen. Ich kann nicht versprechen, dass ich eine Ursache finde oder dass es ihr danach besser geht.

Das wäre weder fair noch seriös.

Trotzdem kann man hinschauen.

Man kann versuchen herauszufinden, ob es einen Ansatz gibt, den bisher noch niemand beachtet hat. Und wenn sich am Ende nur ein kleines Mü verbessern lässt, wäre auch das etwas.

Die Anfrage hat mich deshalb sehr berührt.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der ich mich frage, wofür es mich noch braucht, kommt jemand und bittet mich, mein Wissen einzusetzen.

Das löst meine beruflichen Fragen noch nicht. Es macht aus meiner Selbstständigkeit auch nicht plötzlich ein florierendes Unternehmen.

Aber es hat mich daran erinnert, was mir an meiner Arbeit Freude macht.

Nun muss ich schauen, ob und wie ich die Mutter kennenlernen kann. Ohne große Versprechen. Ohne die Erwartung, dass ich unbedingt eine Lösung finden muss.

Erst einmal ansehen, zuhören und dann weitersehen.

Majorelle-Blau und Sonnengelb

Die Farben aus Marrakesch sind mir auch nach der Reise im Kopf geblieben.

Vor allem Majorelle-Blau und Sonnengelb.

Ich habe mich gefragt, weshalb manche Farben sofort eine bestimmte Stimmung auslösen. Bei mir sorgen diese beiden für Leichtigkeit und Freude.

Andere Farben lassen mich dagegen völlig kalt oder machen einen Raum für mich sogar unangenehm.

Farbpsychologie interessiert mich schon länger, aber bisher eher am Rand. Nach Marrakesch habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, mich etwas intensiver damit zu beschäftigen.

Noch habe ich keine Ahnung, was daraus werden könnte.

Es muss auch nicht sofort etwas daraus werden.

Ich darf mich mit einem Thema beschäftigen, weil es mich interessiert. Nicht jede Idee braucht am ersten Tag ein Konzept, ein Angebot und einen fertigen Plan.

Aber ist wieder einmal sehr typisch für meine Scannerpersönlichkeit, die sich nie nur mit einer Sache beschäftigen kann oder möchte. 

Hier stelle ich mir folgende Fragen: 

  • Welche Farben tun mir gut?
  • Welche Farbkombinationen verändern einen Raum?
  • Warum fühlen sich manche Farbtöne warm an und andere streng?
  • Und was machen Farben mit Menschen, die körperlich oder seelisch belastet sind?

Dies nehme ich aus Marrakesch mit.

Der 80. Geburtstag meiner Mutter

Im Juli wurde meine Mutter 80 Jahre alt.

Zu ihrem Geburtstag waren wir gemeinsam auf der Blumeninsel Mainau.

Damit sie wirklich etwas von der Insel hat, habe ich ihr ein Elektromobil gebucht. Zu Fuß hätte sie längst nicht alles sehen können. Wahrscheinlich wäre der Ausflug nach kurzer Zeit zu anstrengend geworden.

Mit dem Elektromobil konnte sie die ganze Insel erkunden, zuweilen lief es ihr wohl nicht schnell genug und sie drehte die Geschwindigkeit höher. Oulàlà – da musste Frau Doktor plötzlich die Beine in die Hand nehmen und einen Zahn zulegen. 

Meine Mutter zeigt ihre Freude eher selten deutlich. Manchmal muss man schon genau hinschauen, um zu erkennen, ob ihr etwas gefällt.

An diesem Tag musste ich nicht rätseln.

Sie strahlte förmlich.

Sie hatte Freude an den Blumen, an der Insel und daran, selbstständig unterwegs sein zu können. Das Elektromobil gab ihr die Möglichkeit, überall hinzukommen, ohne ständig überlegen zu müssen, ob der Weg noch zu schaffen ist.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, sie so zu sehen.

Es war ein schöner Tag und zugleich ein Tag, an dem mir noch einmal bewusst wurde, wie sehr Bewegung mit Freiheit verbunden ist.

Für meine Mutter bedeutete das Elektromobil nicht, dass sie weniger selbstständig war. Im Gegenteil. Es ermöglichte ihr erst, den Tag so zu erleben, wie sie es wollte.

Sie musste nicht nach wenigen Metern umdrehen, nicht auf einer Bank sitzen bleiben und nicht darauf verzichten, einen weiteren Teil der Insel zu sehen.

Sie konnte einfach fahren.

Und sie tat es mit sichtlichem Vergnügen.

Mein Krafttier im Juli: die Ratte

Mein Krafttier für Juli ist die Ratte.

Ratte

Das ist auf den ersten Blick kein besonders anmutiges Tier. Bei Krafttieren denken viele vermutlich lieber an Adler, Wölfe, Löwen oder Schmetterlinge.

Nun also die Ratte.

Ihre Botschaft für diesen Monat lautet: die wahren Farben der Seele.

Ein Lebensabschnitt endet, und dadurch entsteht Platz für etwas Neues. Neue Chancen sollten nicht nur abgewartet, sondern aktiv gesucht werden. Außerdem geht es darum, zu den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Zielen zu stehen.

Das passt erstaunlich gut zu meinem Juli.

Mit dem Abitur meiner zweiten Tochter geht ein großer Familienabschnitt zu Ende.

Meine Rolle als Mutter verändert sich.

Meine Selbstständigkeit steckt fest.

Und gleichzeitig tauchen kleine Hinweise auf: die Anfrage des Piloten, mein Interesse an Farben und der Wunsch, mit meiner Arbeit tatsächlich etwas für Menschen zu verbessern.

Die Ratte steht nicht für einen besonders glanzvollen Neuanfang.

Sie sucht sich ihren Weg. Sie kommt durch kleine Öffnungen, findet Möglichkeiten und lässt sich nicht davon abhalten, dass der Weg nicht repräsentativ aussieht.

Das gefällt mir.

Denn mein neuer Abschnitt beginnt bisher nicht mit einem großen Erfolg eines an sich fertigen Geschäftsmodells.

Es geht mehr um Fragen.

Was möchte ich wirklich machen?

Womit beschäftige ich mich gern, auch wenn niemand mich dazu auffordert?

Wo kann ich mein Wissen einsetzen?

Zu den Hinweisen der Ratte gehört auch, positive Dinge anzuerkennen.

Das klingt einfach, ist es aber nicht immer.

Ich sehe schnell, was fehlt: 

  • Die Selbstständigkeit läuft nicht
  • Die Schrittaufzeichnung ist unvollständig
  • Die Bücherzahl ist niedriger als im Monat davor
  • Meine bisherige Rolle verändert sich.

Dabei war der Juli voll mit guten Dingen:

Meine Tochter hat ihr Abitur bestanden.

  • Wir waren gemeinsam in Marrakesch.
  • Meine Mutter hatte einen wunderschönen 80. Geburtstag.
  • Ein Mensch hat mich um meine fachliche Einschätzung gebeten.
  • Und ich habe ein neues Thema entdeckt, das mich interessiert.

Es ist nicht nichts.

Bücher und Schritte

  • Schritte Marrakesch-Woche: 12.000–18.000 pro Tag (nicht aufgezeichnet)
  • Schritte ab 24.7.: 42.000 
  • Bücher Juni: 8
  • Bücher Juli: 3

Bei meinen Zahlen muss ich in diesem Monat etwas großzügig sein.

Die Schritte aus Juni und Juli sind nicht vollständig aufgezeichnet. Besonders ärgerlich ist, dass ausgerechnet Marrakesch fehlt.

Dort bin ich pro Tag zwischen 12.000 und 18.000 Schritte gelaufen.

Erst ab dem 24. Juli gibt es wieder brauchbare Zahlen. An diesem Tag waren es ebenfalls 18.000 Schritte.

Die offizielle Monatszahl wäre also kaum aussagekräftig.

Im Juni habe ich acht Bücher gelesen. Im Juli waren es drei. Damit kann ich leben.

Man kann nicht gleichzeitig sehr viel laufen und sehr viel lesen. In Marrakesch hatte ich abends jedenfalls selten den Wunsch, noch stundenlang in einem Buch zu verschwinden.

Dafür war der Tag selbst zu voll.

Mein Juli in einem Wort

Wenn ich den Juli mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es Bewegung.

Da waren die vielen Schritte in Marrakesch.

Da war meine Tochter, die sich mit dem Abitur aus der Schulzeit verabschiedet hat.

Da war meine Mutter, die mit ihrem Elektromobil die Mainau erkundete.

Und da war ich selbst, irgendwo zwischen einem abgeschlossenen Abschnitt und der Frage, was als Nächstes kommt.

Noch ist nicht klar, wohin sich alles bewegt.

Der Monat hat zumindest gezeigt, dass Stillstand und Ziellosigkeit nicht dasselbe sind.

Ich habe kein fertiges neues Ziel.

Aber es gibt Dinge, die mich interessieren, Menschen, für die ich etwas tun könnte, und Ideen, die noch genauer angeschaut werden wollen.

Für den Moment reicht mir das.

Häufige Fragen zum Empty-Nest-Syndrom

Was ist das Empty-Nest-Syndrom? Es beschreibt die Leere und Orientierungslosigkeit, die viele Eltern spüren, wenn ihre Kinder erwachsen werden und die elterliche Rolle sich verändert.

Betrifft das Empty-Nest-Syndrom nur Mütter? Nein, aber Mütter, die sich über Jahre am intensivsten um Erziehung und Alltag gekümmert haben, spüren die Lücke oft am deutlichsten.

Ist das Empty-Nest-Syndrom eine Krankheit? Nein, es gilt nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als eine Lebensphase mit eigenen Herausforderungen.

Was hilft gegen das Gefühl der Leere, wenn die Kinder erwachsen werden? Neue Interessen, neue Aufgaben, neue Anfragen — kleine Dinge, die wieder Sinn geben, auch wenn sie das Loch nicht sofort füllen.

Wie lange dauert das Empty-Nest-Syndrom? Individuell sehr unterschiedlich, abhängig davon, wie viele andere Rollen und Aufgaben man neben der Elternrolle noch hat.

Mein Spruch des Monats

Bedenke, dass deine Seele die Farben deiner Gedanken hat“

Marc Aurel

Dir Gefällt, was du liest? Mehr davon gibts in meinem Newsletter

WochenEndMomentum ist für Menschen, die gerne gute Newsletter lesen. Er kommt immer samstags rechtzeitig zum ersten Kaffee

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner