“Some days in late August at home are like this, the air thin and eager like this, with something in it sad and nostalgic and familiar.”
— William Faulkner
Im Monatsrückblick August 2026 kämpfe ich ums Ehrlichsein: Faulkner konnte Ende August offenbar noch ganze Sätze denken. Ich eher nicht.
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Im August habe ich fast nichts gelesen. Abends habe ich Bücher aufgeschlagen, drei Seiten geschafft und am nächsten Morgen nicht mehr gewusst, was auf diesen drei Seiten stand. Das passiert mir selten und ist bei mir ziemlich zuverlässig ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.
Arbeiten konnte ich dagegen weiterhin. Vielleicht ist genau das das Tückische daran.
Mein Krafttier im August: der Hai
Mein Krafttier des Monats ist der Hai, zuständig für „vollendeten Instinkt“. Schon der Titel gefällt mir.
Der Hai soll über ein hervorragendes Früherkennungssystem verfügen, die Wahrnehmung schärfen und dabei helfen, die eigenen Interessen und Wünsche klarer zu erkennen. Unter den spirituellen Hinweisen stehen Dinge wie: Verlieren Sie sich selbst nicht aus den Augen. Zeigen Sie anderen Ihre Grenzen. Was bringt Sie jetzt weiter, wo verschwenden Sie nur Energie? Was hält Sie davon ab, das zu tun, was Sie wirklich wollen?
Ich fürchte, der Hai hat meinen August ziemlich genau gelesen.
Wer sich die ganze Botschaft ansehen möchte, findet sie hier: Krafttier Hai – Vollendeter Instinkt
Bücher als Frühwarnsystem
Ich merke an meinem Lesen ziemlich gut, wie es mir geht. Normalerweise kann ich mich auch in unruhigen Zeiten in ein Buch verabschieden, manchmal gerade dann. Im August funktionierte das kaum noch. Ich fing etwas an, legte es wieder weg und hatte nach ein paar Tagen mehrere Bücher herumliegen, in denen ich jeweils irgendwo auf Seite zwanzig steckengeblieben war.
Beim Schreiben sah es ähnlich aus. Der Blog gehört eigentlich zu den Dingen, die ich freiwillig und gern mache. Niemand wartet mit einer Frist darauf, niemand zwingt mich dazu. Umso auffälliger ist es, wenn er sich plötzlich anfühlt wie die Steuererklärung oder Papiere, die man abheften muss.
Im August hatte ich dieses Gefühl häufig. Mir fiel wenig ein, und wenn mir etwas einfiel, fehlte mir oft die Lust, daraus einen Text zu machen. Das kenne ich von mir nicht, und vermutlich beschäftigt es mich deshalb mehr als die Müdigkeit und Erschöpfung selbst.
Wie lange noch?
Diese Frage war im August oft da: Wie lange mache ich das noch?
Irgendwann kam eine zweite dazu, die mir noch weniger gefällt. Sollte ich selbst gehen, bevor irgendwann jemand anderes entscheidet, dass ich gehe?
Eine Antwort darauf habe ich nicht.
Die eigentliche Arbeit ist dabei nicht das Problem. Patienten, Entscheidungen, Verantwortung, der ganz normale Wahnsinn eines Arbeitstages gehören zu dem Teil, mit dem ich umgehen kann. Schwieriger ist alles, was inzwischen drumherum entstanden ist: Gespräche, Kontrolle, Misstrauen und Dinge, die offiziell unter Qualitätssicherung laufen und sich im Alltag deutlich weniger harmlos anfühlen.
Das Unangenehme daran ist, dass solche Dinge irgendwann nicht mehr auf ihren eigentlichen Platz beschränkt bleiben. Man nimmt sie mit ins Auto, an den Esstisch, in den Urlaub und nachts um halb vier sowieso.
Ich liebe meine Arbeit, und genau das macht die Sache kompliziert. Wie viel hält man aus, um etwas behalten zu können, das man eigentlich gern macht? Und wann wird das Festhalten teurer als das Loslassen?
Im August hatte ich darauf keine Antwort. Ich habe sie auch jetzt nicht.
Ausgerechnet Pinterest
Der beste Marketing-Gedanke des Monats kam aus einem Pinterest-Kurs. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
Ich habe Pinterest lange mit Rezepten, Hochzeiten, Frisuren und Küchen verbunden, in denen offenbar nie jemand kocht. Dann erklärte jemand, Pinterest sei im Grunde eine Suchmaschine, und plötzlich ergab die Sache für mich Sinn.
Ich möchte schreiben, Dinge veröffentlichen und gefunden werden. Was ich immer weniger möchte, ist täglich irgendwo auftauchen zu müssen, damit ein Algorithmus nicht glaubt, ich sei gestorben.
Instagram und Facebook empfinde ich seit Monaten zunehmend als Energiefresser. Posten, reagieren, planen, wieder posten, nachsehen, Reichweite beobachten, noch eine Story. Drei Tage nichts gemacht, und schon hat man das Gefühl, man müsse sich beim Internet für die Abwesenheit entschuldigen.
Pinterest wirkt dagegen fast angenehm altmodisch. Man stellt etwas hin, und jemand kann es später finden. Vielleicht morgen, vielleicht in drei Monaten.
Eine Plakatwand eben.
Ich möchte ausprobieren, ob ich einen Teil meines Marketings dorthin verlagern kann. Instagram und Facebook dürfen gern einen deutlich kleineren Platz bekommen, vielleicht einmal im Monat Planung, ein paar Anzeigen, fertig. Allein die Vorstellung hat mich im August überraschend erleichtert.
Nizza, zum dritten Mal
Zum dritten Mal in drei Jahren bin ich mit meiner großen Tochter nach Nizza geflogen. Eine Woche Promenade des Anglais, Cours Saleya, Altstadt, Rosé und dieses Meer, das in Nizza immer ein bisschen zu blau aussieht, um wahr zu sein.
Ich, die schlechteste Reisebegleitung, die ich je war.
Ich war oft still, schnell genervt und mit dem Kopf woanders, und meine Tochter hat das natürlich gemerkt. Es gab trotzdem gute Momente: morgens Kaffee holen, durch die Altstadt laufen, abends draußen sitzen und aufs Meer schauen.
Nizza war schön. Ich war es nicht.
Das ärgert mich im Nachhinein sehr, weil ich gern mehr von dieser Woche mitbekommen hätte.
Geduldsfaden: überschaubar
Auch zu Hause war ich im August keine besonders angenehme Ausgabe meiner selbst. Ich hatte wenig Geduld mit anderen Menschen, und leider macht die eigene Familie in solchen Phasen keine Ausnahme.
Meine Töchter haben meine kurze Zündschnur abbekommen. Fragen kamen im falschen Moment, Geräusche waren zu laut, Kleinigkeiten haben mich schneller genervt, als sie es verdient hatten.
Das gefällt mir nicht an mir, aber es war so.
Was mich inzwischen fast mehr beschäftigt, ist die Reihenfolge, in der Dinge verschwinden. Ich kann arbeiten, Termine wahrnehmen, organisieren, Autofahren, Mails beantworten und Entscheidungen treffen. Alles, was unbedingt funktionieren muss, funktioniert erstaunlich lange.
Was zuerst wegfällt, sind die Dinge, für die es keine Pflicht gibt: lesen, schreiben, herumdenken, sich in etwas verlieren, das keinen unmittelbaren Nutzen hat.
Was vom August übrig bleibt
Wenn ich den Monat zusammenfasse, bleiben ein Stapel angefangener Bücher, wenig Geschriebenes, eine Woche Nizza, von der ich gern mehr gehabt hätte, ein Pinterest-Kurs mit überraschend brauchbaren Folgen und ein Hai mit erstaunlich passenden Ratschlägen.
Und da ist diese berufliche Frage, auf die ich noch keine Antwort habe.
Mehr Ordnung bekomme ich in diesen August gerade nicht hinein.
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