Chronische Schmerzen loswerden?

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Chronische Schmerzen loswerden?
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Erst verstehen, wie sie entstehen — dann gezielt behandeln

„Mein ganzes Leben dreht sich inzwischen nur noch um Medikamente.“

Wer chronische Schmerzen kennt, weiß, dass dieser Satz keine Übertreibung ist. Viele Betroffene erleben ihren Alltag irgendwann fast nur noch zwischen Schmerz, Medikamenteneinnahme, Nebenwirkungen und der Frage: Was kann ich überhaupt noch tun?

In Deutschland leben Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Viele berichten, dass ihre Medikamente nicht ausreichend wirken, dass sie sich vor Nebenwirkungen fürchten oder Sorge haben, abhängig zu werden.

Das Problem liegt dabei nicht einfach beim einzelnen Patienten. Chronischer Schmerz ist komplex — und er braucht eine andere Behandlung als akuter Schmerz.

Die gute Nachricht: Wir wissen heute ziemlich gut, welche Bausteine eine wirksame Behandlung chronischer Schmerzen braucht. Entscheidend ist, den Schmerz nicht nur zu unterdrücken, sondern zu verstehen, was im Nervensystem passiert — und genau dort anzusetzen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Chronische Schmerzen dauern länger als 3 Monate und sind ein eigenständiges Krankheitsbild — kein verlängerter akuter Schmerz.
  • Das Schmerzgedächtnis entsteht, wenn akuter Schmerz zu lange unzureichend behandelt wird — das zentrale Nervensystem lernt den Schmerz.
  • Der WHO-Stufenplan zur Analgesie wird in der Praxis nicht immer korrekt angewendet; eine strukturierte Basistherapie fehlt zuweilen vollständig.
  • Chronische Schmerzen brauchen ein multimodales Konzept: Medikamente, Koanalgetika, TENS, Physiotherapie, Verhaltenstherapie, Selbsthilfe.
  • Akupunktur ist bei chronischen Schmerzen evidenzbasiert wirksam — aber erst nach 10–12 Sitzungen;
  • Hypnotherapie verändert die Beziehung zum Schmerz.

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Was sind chronische Schmerzen?

Von chronischen Schmerzen spricht man in der Regel, wenn Schmerzen länger als drei Monate bestehen.

Wichtig ist dabei: Chronischer Schmerz ist nicht einfach ein akuter Schmerz, der besonders lange dauert.

Bei akutem Schmerz gibt es meist einen klaren Auslöser: eine Verletzung, eine Entzündung oder eine Operation. Der Schmerz dient als Warnsignal.

Bei chronischem Schmerz kann sich dieses Warnsystem verändern. Der Schmerz besteht dann weiter, obwohl die ursprüngliche Ursache längst abgeheilt oder deutlich schwächer geworden ist.

Er ist kein eingebildeter Schmerz — im Gegenteil: Das Nervensystem selbst verändert sich und wird empfindlicher.

Wie entsteht ein Schmerzgedächtnis?

Unser Nervensystem kann lernen.

Das ist normalerweise etwas Positives. Wir lernen Bewegungen, Gewohnheiten und Abläufe. Doch auch Schmerz kann sich im Gedächtnis festsetzen.

Wenn starke Schmerzen über längere Zeit bestehen, kann das Nervensystem immer empfindlicher auf Reize reagieren. Die Schmerzschwelle sinkt. Reize, die früher kaum wehgetan hätten, werden plötzlich deutlich stärker wahrgenommen.

Mediziner nennen diesen Vorgang unter anderem „zentrale Sensibilisierung“.

Vereinfacht gesagt: Das körpereigene Alarmsystem wird zu empfindlich eingestellt.

Der Schmerz ist deshalb nicht weniger real — nur seine Entstehung hat sich verändert. Es handelt sich um messbare Veränderungen in der Schmerzverarbeitung; kein Zeichen mangelnder Willenskraft.

Und genau deshalb braucht chronischer Schmerz eine gezielte und meist langfristige Behandlung.

Schmerzmedikamente: Warum ein einzelnes Mittel oft nicht reicht

Medikamente spielen in der Schmerztherapie eine wichtige Rolle. Entscheidend ist jedoch, dass sie sinnvoll eingesetzt und aufeinander abgestimmt werden.

Ein bekanntes Grundprinzip ist der sogenannte WHO-Stufenplan. Dabei werden je nach Schmerzstärke unterschiedliche Medikamentengruppen eingesetzt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Nicht-Opioid-Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen, Metamizol oder Diclofenac
  • schwächer wirksame Opioide wie Tramadol oder Tilidin
  • stärkere Opioide wie Morphin oder Oxycodon

Wichtig ist dabei nicht nur die Auswahl des Medikaments — auch der Zeitpunkt der Einnahme spielt eine große Rolle.

Bei chronischen Schmerzen reicht es häufig nicht aus, ein Medikament erst dann einzunehmen, wenn der Schmerz bereits stark geworden ist. In bestimmten Situationen ist eine sogenannte Basistherapie sinnvoll: ein gleichmäßiger Wirkspiegel, der starke Schmerzspitzen möglichst verhindert. Zusätzlich kann eine Bedarfsmedikation eingesetzt werden, wenn der Schmerz trotzdem durchbricht.

Auch sogenannte Koanalgetika können wichtig sein. Das sind Medikamente, die auf die Schmerzverarbeitung im Nervensystem wirken — unter anderem Gabapentin oder Pregabalin bei bestimmten Nervenschmerzen sowie niedrig dosierte Antidepressiva.

Bei letzteren lohnt sich ein kurzer Hinweis: Sie werden hier nicht eingesetzt, weil der Schmerz eine psychische Ursache hätte. Diese Wirkstoffe beeinflussen Botenstoffsysteme, die sowohl an Stimmung als auch an Schmerzverarbeitung beteiligt sind — ein rein neurobiologischer Effekt.

Der entscheidende Punkt lautet deshalb: Chronischer Schmerz braucht meist ein Konzept — nicht nur ein neues Medikament.

Was bei chronischen Schmerzen wirklich hilft

Bei chronischen Schmerzen gibt es selten die eine Methode, die alles löst.

Am erfolgreichsten ist häufig ein sogenanntes multimodales Behandlungskonzept. Das bedeutet: Mehrere Therapieformen werden miteinander kombiniert.

Dazu können gehören:

  • eine gut eingestellte medikamentöse Therapie
  • Physiotherapie und Bewegung
  • TENS, also elektrische Nervenstimulation über die Haut
  • psychologische oder verhaltenstherapeutische Verfahren
  • Entspannungsverfahren
  • Akupunktur
  • Hypnotherapie
  • soziale Unterstützung und Selbsthilfegruppen

Warum braucht es so viele unterschiedliche Bausteine?

Weil chronischer Schmerz nicht nur an einer einzigen Stelle entsteht. Er betrifft das Nervensystem, die Bewegung, den Schlaf, die Stimmung, die Aufmerksamkeit und häufig auch den gesamten Alltag.

Viele Betroffene beginnen aus Angst vor Schmerzen, bestimmte Bewegungen oder Aktivitäten zu vermeiden. Das ist verständlich, kann langfristig aber dazu führen, dass der Körper immer weniger belastbar wird. Auch die ständige Aufmerksamkeit auf den Schmerz kann ihn verstärken — nicht aus Einbildung, sondern weil das sensibilisierte Nervensystem genau das tut, wozu es trainiert wurde.

Eine gute Schmerztherapie versucht deshalb, an mehreren dieser Stellen gleichzeitig anzusetzen.

Warum Aktivität wichtig bleibt

Chronische Schmerzen führen häufig dazu, dass Menschen sich immer weiter aus ihrem bisherigen Leben zurückziehen. Bewegung wird weniger. Soziale Kontakte nehmen ab. Manche geben ihre Arbeit frühzeitig vollständig auf.

In manchen Fällen ist das medizinisch notwendig — das soll hier nicht kleingeredet werden.

Grundsätzlich kann jedoch ein möglichst aktives Leben ein wichtiger Teil der Therapie sein. Struktur, soziale Kontakte, Bewegung und das Erleben von Selbstwirksamkeit beeinflussen die Schmerzverarbeitung messbar positiv.

Das Ziel ist dabei nicht, Schmerzen zu ignorieren oder sich zu überfordern. Es geht darum, den eigenen Handlungsspielraum so weit wie möglich zu erhalten.

Akupunktur bei chronischen Schmerzen

Akupunktur kann bei verschiedenen chronischen Schmerzformen hilfreich sein, unter anderem bei Rücken-, Kopf- und muskuloskelettalen Schmerzen.

Wichtig ist eine realistische Erwartung: Bei chronischen Beschwerden reicht eine einzelne Behandlung meist nicht aus. Häufig sind mehrere Sitzungen erforderlich, bevor sich beurteilen lässt, ob die Methode hilft — in der Praxis werden bei chronischen Schmerzen häufig etwa 10 bis 12 Sitzungen eingeplant.

Akupunktur sollte dabei nicht als Ersatz für jede andere Therapie verstanden werden, sondern als möglicher Baustein innerhalb eines umfassenden Behandlungskonzepts.

Was Hypnotherapie bei chronischen Schmerzen leisten kann

Auch Hypnotherapie kann bei chronischen Schmerzen eine sinnvolle Ergänzung sein.

Dabei geht es nicht darum, den Schmerz „wegzuhypnotisieren“ — ein solches Versprechen wäre unseriös.

Hypnotherapie setzt vielmehr daran an, wie Schmerz wahrgenommen wird und wie stark er den Alltag bestimmt. Nach Jahren mit chronischen Schmerzen entwickeln sich oft feste Muster: ständige Aufmerksamkeit darauf, ob der Schmerz stärker wird; wachsendes Vermeidungsverhalten; abnehmendes Vertrauen in den eigenen Körper. Der Schmerz bekommt immer mehr Raum im Leben.

In der Hypnotherapie können solche Muster gezielt bearbeitet werden. Das Ziel ist nicht unbedingt vollständige Schmerzfreiheit — das Ziel kann vielmehr sein, dass der Schmerz weniger Aufmerksamkeit bekommt, dass Ängste abnehmen und dass wieder mehr Handlungsmöglichkeiten entstehen. Der Schmerz ist dann möglicherweise noch vorhanden — aber er bestimmt nicht mehr jede Entscheidung.

Für viele Patienten ist genau das ein entscheidender Schritt zurück zu mehr Lebensqualität.

Was Sie konkret tun können

Wenn Sie das Gefühl haben, mit Ihrer bisherigen Behandlung nicht wirklich weiterzukommen, lohnt sich eine wichtige Frage: Gibt es für mich ein strukturiertes Schmerzkonzept?

Dabei geht es nicht nur darum, das nächste Medikament auszuprobieren. Ein gutes Konzept verbindet verschiedene Bereiche: Medikamente, Bewegung, Physiotherapie, psychologische Verfahren, Entspannung sowie ergänzende Methoden wie Akupunktur oder Hypnotherapie.

Spezialisierte Schmerzambulanzen und Schmerzzentren sind genau für solche komplexen Situationen eingerichtet. Der Hausarzt oder behandelnde Facharzt kann eine entsprechende Überweisung veranlassen.

Chronische Schmerzen lassen sich nicht immer vollständig beseitigen — aber ein sensibilisiertes Nervensystem kann sich verändern, Bewegungsverhalten kann sich verändern, der Umgang mit Schmerz kann sich verändern. Häufig lässt sich dadurch die Lebensqualität deutlich verbessern.

Ich arbeite derzeit an einem Onlinekurs (verfügbar ab 15.10.2026), in dem ich genau diese Zusammenhänge Schritt für Schritt erkläre: Was passiert im Körper, wenn Schmerz chronisch wird? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und wie kann man gemeinsam mit den behandelnden Ärzten zu einem sinnvollen Schmerzkonzept kommen — einschließlich der Möglichkeiten von Akupunktur und Hypnotherapie. Wer informiert werden möchte, sobald der Kurs verfügbar ist, kann sich gerne in meine Interessentenliste eintragen.

FAQ — Häufige Fragen zu chronischen Schmerzen

Wann gelten Schmerzen als chronisch? In der Regel spricht man von chronischen Schmerzen, wenn Beschwerden länger als drei Monate bestehen. Der Schmerz kann dabei auch weiterbestehen, obwohl die ursprüngliche Verletzung oder Erkrankung bereits abgeheilt ist.

Was ist ein Schmerzgedächtnis? Das Nervensystem kann sich bei länger anhaltendem Schmerz verändern und empfindlicher werden. Schmerzsignale werden dann schneller oder stärker verarbeitet. Dieser Vorgang wird häufig als Schmerzgedächtnis oder zentrale Sensibilisierung bezeichnet.

Warum helfen meine Schmerzmittel nicht mehr richtig? Dafür kann es viele Gründe geben. Unter anderem kann die Medikamentenkombination nicht optimal sein, eine geeignete Basistherapie fehlen oder es können zusätzliche Medikamente notwendig sein, die gezielt die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Das sollte immer individuell ärztlich abgeklärt werden.

Was bedeutet multimodale Schmerztherapie? Dabei werden verschiedene Behandlungsformen miteinander kombiniert, beispielsweise Medikamente, Physiotherapie, Bewegung, psychologische Verfahren und ergänzende Methoden. Gerade bei chronischen Schmerzen ist dieses Zusammenspiel oft entscheidend.

Kann Akupunktur bei chronischen Schmerzen helfen? Bei verschiedenen chronischen Schmerzformen kann Akupunktur eine sinnvolle Ergänzung sein. Bei chronischen Beschwerden sind meist mehrere Sitzungen notwendig, bevor der Effekt beurteilt werden kann.

Kann Hypnose Schmerzen beseitigen? Hypnotherapie verspricht keine vollständige Schmerzfreiheit. Sie kann jedoch dabei helfen, die Wahrnehmung des Schmerzes und den Umgang damit zu verändern. Dadurch kann der Schmerz weniger Raum im Alltag einnehmen

Dr. med. Laila Schmidt ist Fachärztin für Anästhesiologie mit Zusatzbezeichnungen in Notfallmedizin und Palliativmedizin sowie ausgebildete Hypnotherapeutin und Akupunkteurin.

Voranmeldung zum Onlinekurs verfügbar ab 15.10.20

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